Aktuelles

Nachruf für Prof. em. Dr. Christof Felix Hardmeier

Nachruf der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald auf Professor em. Dr. theol. Christof Felix Hardmeier (1942–2020)

Am 8. Mai 2020 verstarb im Alter von 77 Jahren Christof Hardmeier, emeritierter Professor für Altes Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald. Die Theologische Fakultät verliert einen profilierten Exegeten, weit über das eigene Fach hinaus wirkenden Theologen und engagierten wie begeisternden Lehrer. Christof Felix Hardmeier wurde am 2. November 1942 in Zürich (CH) geboren. Von 1961 bis 1968 studierte er Theologie, Philosophie und Literaturwissenschaft in Zürich, Tübingen und Mainz und legte 1968 das Theoretisch-theologische Examen in Zürich ab. Nach seinem Examen ging er an die Universität Heidelberg. Dort prägten ihn die Linguistik, der er sich in einem Zweitstudium, vor allem bei dem Romanisten und Sprachwissenschaftler Klaus Heger, widmete, und der Alttestamentler Hans Walter Wolff, der seine 1975 abgeschlossene alttestamentliche Promotion zur „Kritik der Formgeschichte auf texttheoretischer Basis am Beispiel der prophetischen Weheworte“ betreute. Nach Praktisch-theologischem Examen und Ordination in Zürich nahm Christof Hardmeier von 1977 bis 1993 eine Dozentur für Hebräisch und Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule Bethel wahr, die von 1983 bis 1985 durch ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterbrochen wurde. Im Wintersemester 1987/88 akzeptierte die Kirchliche Hochschule Bethel die Habilitationsschrift („Die Polemik gegen Ezechiel und Jeremia in den Hiskia-Jesaja-Erzählungen“). Von 1993 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2008 war Christof Hardmeier Professor für Altes Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald. Bereits in seiner Doktorarbeit zur Trauermetaphorik in der Prophetie, die unter dem Titel „Texttheorie und biblische Exegese“ 1978 erschien, legte Christof Hardmeier die Basis seiner textpragmatisch orientierten Lese-Hermeneutik der Behutsamkeit – so auch der Titel der ihm gewidmeten Festschrift (2007). In detaillierten Exegesen zur älteren Prophetie wurde in dieser Studie die formgeschichtliche Methode wesentlich präzisiert, etwa in der Unterscheidung von Gattung und Gattungsexemplar und dem Erweis, dass im prophetischen Klageruf eben keine gattungsspezifische Stilkonstante vorliegt. Christof Hardmeier verstand Texte als „Artefakte der Kommunikation“ und näherte sich jenen Artefakten in philologisch dichten und methodisch höchst reflektierten Analysen, etwa durch Kennzeichnung
unterschiedlicher Kommunikationsebenen, insbesondere in den Erzähltexten des Alten Testaments. Letztere kommen dann in seiner Habilitationsschrift zum Tragen, die 1990 unter dem Titel „Prophetie im Streit vor dem Untergang Judas“ erschienen ist. In dieser Studie manifestiert sich auch der Einfluss der „Bielefelder  Literaturwissenschaft“ durch Diskussion der Ansätze von Elisabeth Gülich – und Wolfgang Raible. „Kommunikation“ bedeutet auch, dass die Texte des Alten Testaments sich gegenseitig interpretieren und nicht nur im Sinne einer „kanonischen“ Sammlung aufeinander bezogen sind. Wesentliche methodische und exegetische Abschnitte aus Dissertation und Habilitation sind auch, teilweise erheblich aktualisiert, in den beiden Bänden zu den „Textwelten der Bibel“ (2003/4) erschienen. Außerdem gehört zur „Kommunikation“, dass die historischen Kontexte Beachtung finden, was Christof Hardmeier in der „Lock-and-key“-Methode zur Beschreibung des Verhältnisses von Text und Archäologie umsetzte. Nicht zuletzt die mit der Methode verbundenen philologischen Ansprüche und Notwendigkeiten führten zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Computerphilologie, die in der gemeinsam mit Eep Talstra und Bertram Salzmann herausgegebenen „Stuttgarter Elektronischen Studienbibel“ (2004) gipfelte.

Christof Hardmeier hat ein sehr umfangreiches OEuvre hinterlassen und blieb bis zu seinem Tod literarisch produktiv. Erwähnt sei noch die Monographie zu „Naturethik und biblischer Schöpfungserzählung“ (2015), die er mit dem Kieler Philosophen und Ethiker Konrad Ott verfasst hat und die auf gemeinsame Lehrveranstaltungen in Greifswald zurückgeht. Zur „Kommunikation“ gehörte eben auch, dass Wissenschaft nur im Gespräch, ob mit Studierenden oder Kolleginnen und Kollegen, möglich ist. In siebzehn Greifswalder Workshops zur Textpragmatik stellte Christof Hardmeier im Kreis von Interessierten seine Methoden und Exegesen immer wieder auf den Prüfstand. Zuletzt arbeitete er an einer Monographie zum 7. Jahrhundert v. Chr. für die renommierte Reihe „Biblische Enzyklopädie“. Diese Studie konnte er nicht mehr finalisieren.

Internationale Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeit fand Christof Hardmeier 2002 und 2003 in einer Gastprofessur an der Universität Stellenbosch (Südafrika) und der Ehrenmitgliedschaft in der Alttestamentlichen Gesellschaft Südafrika. Hervorzuheben ist auch Christof Hardmeiers Engagement für die Theologische Fakultät und Universität in Greifswald. Als Senator (1996–2004), Mitglied im Konzil (1996–2004) oder Ombudsmann der Universität, als Prodekan (1994–95) und Dekan (1995–97) der Theologischen Fakultät war er in wichtige hochschulpolitische Entscheidungen involviert. So stellte er die Weichen für den Umzug der Theologischen Fakultät in das Gebäude Am Rubenowplatz. Außerdem wirkte er als Mitglied des „Beirats des Niederdeutschen Bibelzentrums in Barth“ am Aufbau des Bibelzentrums mit und war Mitglied der Pommerschen Bibelgesellschaft.

Die Theologische Fakultät wird Christof Hardmeier stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Prof. Dr. Heinrich Assel (Dekan), Dr. Andreas Ruwe (Prodekan), Prof. Dr. Stefan Beyerle (Studiendekan)


Zurück zu allen Veranstaltungen