Wir über uns

Lehrstuhl für Praktische Theologie

Ziel des Greifswalder Lehrstuhls für Praktische Theologie ist die Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern für die missionarische und seelsorgliche Gemeinde des 21. Jahrhunderts.


Forschung und Lehre

Der Zusammenhang von Forschung und Lehre ist dem Team des Lehrstuhls besonders wichtig. Wir möchte engagierte, aktuelle und zugängliche Lehrangebote machen und orientieren uns dabei besonders an dieser Passage aus dem aktuellen Leitbild Lehre der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald:

„Forschungsbezogenes Lehren und von der Lehre profitierendes Forschen gehören zum Selbstverständnis unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Studentinnen und Studenten werden für unsere Wissenschaften begeistert und umfassend für ihren Berufsweg  gebildet. Darum gilt auch der Lehre ein hohes, kontinuierliches Engagement, das sich in festverankerten Werten äußert:

Wir stellen das Lernen ins Zentrum unseres Engagements in der Lehre  und begleiten Studentinnen und Studenten bei ihrem Bemühen, sich wissenschaftliche Zusammenhänge zu erschließen. Die Inhalte unserer Lehre setzen wir gezielt der kritischen Prüfung durch die Studentinnen und Studenten aus und erhoffen davon einen Zugewinn an Erkenntnis. Wir sind für unsere Studentinnen und Studenten verlässlich erreichbar für Austausch und Dialog. Gute Betreuung achten wir als besondere Stärke unserer Universität. Wir achten die Rückmeldungen unserer Studentinnen und Studenten (z.B. bei Evaluationen) und justieren unsere Lehre entsprechend nach. Wir pflegen den kollegialen Austausch über die Lehre, bilden uns hochschuldidaktisch weiter  und arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung unseres Lehrangebots. Wir machen unsere Lernziele und die Erwartungen an Studentinnen und Studenten transparent, geben Feedback zu Stärken und  Schwächen und prüfen fair und kompetenzorientiert auf dieser Basis.“

Wir integrieren in die Lehre häufig die Arbeit mit der Lernplattform Moodle. Ab SS 2018 bieten wir intensive Seminare an, in denen nach angelsächsischem Vorbild größere Lektüre-Aufgaben mit einem wöchentlich abzuliefernden Paper verknüpft werden. Mehr dazu finden Sie im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis

Der Lehrstuhlhaber erhielt 2017 den Preis der Universität Greifswald für hervorragende Lehre im Bereich „Integrative Lehre“.

Spiritualität

Lehrveranstaltungen zum Thema Spiritualität sollen einerseits die „spirituelle Landschaft“ in unserem Kontext beleuchten und verstehen lehren. Unterschiedliche spirituelle Traditionen, aber auch ererbte oder selbst entschiedene Religionslosigkeit kommen in den Blick bis hin zum „säkularen Driften“ (Jörg Stolz). Andererseits wird Spiritualität als Einübung in das geistliche Leben von Einzelnen und Gemeinschaften in spezifisch christlicher Formatierung betrachtet. Grundlegende Überlegungen finden dabei ebenso Raum wie eine genauere Bearbeitung von „spiritual disciplines“ wie Gebet, Meditation der Schrift, Pilgern, Stille; Tagebuchschreiben u.a. Dabei soll die Bearbeitung der „spiritual disciplines“ im Kontext einer das ganze Leben umfassenden Sicht von Spiritualität (als Lebensweise des „disciples“, also des lebendigen, mündigen Christenmenschen) verstanden werden.

Lehrveranstaltungen sind im Wesentlichen die Vorlesung „Evangelische Spiritualität“ sowie Seminare und Übungen z.B. zum Gebet oder auch zu bedeutenden Texten aus der Geschichte der Spiritualität wie z.B. Bonhoeffers „Nachfolge“.

Kirchentheorie und Gemeindeentwicklung

Diese Themen sind traditionell Schwerpunkte der Praktischen Theologie in Greifswald. Seit 2004 werden Fragen der Kirchentheorie und der missionarischen Gemeindeentwicklung gemeinsam mit dem Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) bearbeitet.

Unser Ziel ist es, für die Transformationskrise der westlichen Christenheit hoffnungsvolle und handlungsorientierte Perspektiven zu entwickeln. Dabei sind folgende Themen immer wieder im Zentrum unserer Lehrveranstaltungen und prägen das gemeinsame Lehren und Lehren:

  • Wie geht es den Kirchen im westlichen Europa?
  • Was bedeutet für uns der spezielle hoch-säkularisierte Kontext im Osten Deutschlands?
  • Religionstheorien: Welche Theorien helfen uns, die religiöse Landschaft zu entziffern?
  • Kirchentheoretische Grundlagen für die Weiterentwicklung von Kirchen und Gemeinden: Was ist eigentlich die Kirche bzw. die Gemeinde, an deren Entwicklung wir beteiligt werden?
  • Regiolokale Kirchenentwicklung: Wie vereinen wir profilierte lokale Gemeinschaften des Glaubens mit regionaler Kooperation?
  • Fresh Expressions of Church und Mixed Economy Church: Welche Impulse aus der Church of England können uns für unsere kirchliche Lage helfen? Welche neuen Gemeindeformen ergänzen parochiale und funktionale Formen von Kirche?
  • Mission im 21. Jahrhundert: Wie übersetzen wir die ökumenische Theologie der Missio Dei in unsere Situation? Was bedeutet es, in nach-volkskirchlichen Zeiten missionarische Kirche in der Minderheit zu werden?
  • Pfarramt und mündige Gemeinde: Welche Rolle sollen künftig Pfarrerinnen und Pfarrer spielen? Wie fördern wir das Zusammenspiel der Gaben und Berufe?
  • Und was müssen wir tun, damit Getaufte zum Glauben finden und in ein mündiges, lebendiges Christsein hineinwachsen können?
  • Wie können wir Kirche und Gemeinde in peripheren ländlichen Räumen entwickeln?
  • Welche Gestalt muss Evangelisation in unserer Zeit annehmen, um kirchenferne und konfessionslose Menschen zu erreichen und für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen? Welche Rolle können dabei z.B. Kurse zum Glauben spielen?
  • Wie muss Gemeinde/Kirche geistlich wach und handwerklich kompetent geleitet werden?
  • Welche systemischen und geistlichen Aspekte der Gemeindeentwicklung sind wesentlich für unsere zukünftigen Aufgaben?

Zu diesen und anderen Themen bieten wir regelmäßig Lehrveranstaltungen an. Für das Thema „Fresh Expressions und Mixed Economy Church“ hat das Team am IEEG ein eigenes Studienprogramm entwickelt, das wir in jedem Wintersemester anbieten.

Predigt und Gottesdienst

In der Lehre bildet das Homiletisch-Liturgische Hauptseminar (HLS) in jedem Sommersemester das Herzstück unserer Arbeit. Für das Seminar ist eine rechtzeitige Anmeldung zu empfehlen. Die Teilnahmebedingungen werden im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis erläutert.

Am Aufbau des Seminars werden auch die theologischen Schwerpunkte in der Homiletik und Liturgik sichtbar:

  • Wir verknüpfen immer Predigt und Gottesdienst miteinander. Die Predigt ist ein Teil des Gottesdienstes, und unterschiedliche Gottesdienstformen sind prominente Orte christlicher Predigt. Wir möchte über beides zusammen nachdenken und weder die Predigt vom Gottesdienst isolieren noch den Gottesdienst als bloßen Rahmen der Predigt verstehen. Das „Gesamtkunstwerk“ Gottesdienst soll darum von uns betrachtet, durchdacht und gestaltet werden.
  • Daraus ergibt sich auch die enge Kooperation von Praktischer Theologie und Kirchenmusik. Prof. Dr. M. Schneider vom Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaft begleitet dieses Seminarprojekt von seinen Anfängen im Jahr 1996 an bis heute. Die Studentinnen und Studenten des Instituts gestalten mit denen, die Theologie studieren, die Seminargottesdienste. Von theologischer Seite wirken im Seminar Prof. Dr. Michael Herbst und die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Lehrstuhls mit.
  • Das wiederum verweist auf den hohen Praxisanteil des Homiletisch-Liturgischen Seminars:
  • Das Seminar beginnt mit einem Wochenend-Blockseminar (in einem Tagungshaus in Vorpommern), das der Arbeit mit dem Evangelischen Gottesdienstbuch gewidmet ist und in einen ersten gemeinsam gestalteten Gemeindegottesdienst am jeweiligen Ort des Blockseminars mündet. 
  • Im ersten Monat des Sommersemesters gibt es zwei wöchentliche Seminarsitzungen, die im Wesentlichen in die Gottesdienst- und Predigtdidaktik einführen und am Lehrbuch „Wir predigen nicht uns selbst“ von Michael Herbst und Matthias Schneider (Neukirchen-Vluyn 5. Aufl. 2015) orientiert sind. In dieser Zeit schreiben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits an ihrer Seminararbeit = dem Entwurf für einen Seminargottesdienst.
  • Zusätzlich wird ein Studientag Liturgische Präsenz mit einer lizenzierten Trainerin in Liturgischer Präsenz © eingeplant.
  • Dabei wird dieser Gottesdienst in sieben Schritten vorbereitet: (1) Einordnung des Predigttextes in den Kontext des Kirchenjahres; (2) Persönliche Betrachtung des Bibeltextes (der Prediger als erster Hörer); (3) Exegese; (4) Homiletische Besinnung (Text und Gemeinde, Text und Kultur; Systematisch-theologische Überlegungen; Invention = Predigtziel, Predigtinhalt; Predigteigenart); (5) Rhetorische Überlegungen (Struktur der Rede, sprachliche Elemente; Überlegungen zur Verständlichkeit der Rede; Illustrationen, Beispiele etc.); (6) Liturgische Gestaltung des Gottesdienstes in Teamarbeit mit anderen Teilnehmern und mit Kirchenmusikern); (7) Überlegungen zum Auftritt (freie Rede; Raumgestaltung; „Kanzelauftritt“). Aus diesen sieben Kapiteln besteht auch die Seminararbeit, die kurz vor den jeweiligen Gottesdiensten eingereicht wird.
  • Ab Mai finden dann wöchentlich bis zu drei öffentliche Seminargottesdienste in Greifswalder Kirchen und Kapellen statt (montags, dienstags, mittwochs, jeweils 18:15 Uhr), die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestaltet und geleitet werden.
  • Danach erfolgt ein intensives Feedback in mehreren Stufen: (1) Gottesdienstnachgespräch mit der Gemeinde nach dem Gottesdienst. Dieses schließt auch (2) einen vorbereiteten Kommentar eines anderen Teilnehmers zur Predigt ein. (3) Schriftliches Gutachten zur Seminararbeit und zum Gottesdienst (i.d.R. binnen einer Woche); (4) Persönliche Aussprache über das Gutachten (i. d. R. binnen einer Woche). Schließlich bilden anregende Aspekte der Seminargottesdienste die Themen für die Seminarsitzung am Donnerstag, in der diese Themen noch einmal kommentiert und beraten werden.

Neben diesem sechsstündigen Hauptseminar bieten wir am Lehrstuhl weitere Veranstaltungen in Homiletik und Liturgik regelmäßig an:

  • Vorlesung „Der evangelische Gottesdienst“ (mit Berücksichtigung alternativer liturgischer Formate)
  • Vorlesung „Wir predigen nicht uns selbst“ (Homiletik)
  • Übung: Kleine homiletische Formen (z.B. Andacht, Text für Gemeindebrief)
  • Seminar: Evangelistische Homiletik
  •  Verschiedene Seminare und Übungen zu den Kasualien wie z.B. zu Taufe, Trauung oder Bestattung
  • Verschiedene Seminare und Übungen zu Gottesdiensten im Kirchenjahr wie z.B. zur Feier der Osternacht
Seelsorge

Evangelische Seelsorge geschieht „beziehungsweise“. Sie möchte Menschen in jeder Beziehung auf einer Wegstrecke ihres Lebens begleiten. Sie ist Glaubenshilfe als Lebenshilfe. Sie ist häufig ein Gespräch über existenzielle Themen im Horizont des christlichen Glaubens. Sie erschöpft sich aber nicht im Austausch von Worten und ist auch nicht am Ende, wenn Worte noch nicht oder nicht mehr ausgetauscht werden können. Sie zeigt sich im günstigen Fall als empathische Wahrnehmung menschlicher Lebenslagen, ist psychologisch und soziologisch solide informiert, biblisch-theologisch orientiert und inspiriert und praktisch handlungsfähig in den höchst unterschiedlichen seelsorglichen Aufgabenfeldern. Sie nutzt spezifisch seelsorgliche Interventionen (wie Zuspruch, Segen, Gebet, Beichte, Salbung), nutzt aber auch auf verantwortete Weise basale Fähigkeiten aus verschiedenen therapeutischen Kontexten oder sucht die Zusammenarbeit mit Therapeuten. Sie geschieht durch Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch durch begabte und geschulte Gemeindeglieder oder Trägerinnen und Träger anderer kirchlicher Professionen. Sie hofft auf Versöhnung und Erneuerung in jeder Beziehung: in der Beziehung zu Gott, zum Nächsten, zur Welt und zu sich selbst. 

Das Herzstück bildet aber (ähnlich wie bei „Predigt und Gottesdienst“) das regelmäßig im Wintersemester angebotene „Klinisch-Poimenische Seminar“ (KPS). Dieses vierstündige Seminar verknüpft poimenische Theorie mit der Möglichkeit zu ersten Praxiskontakten durch während des Semesters stattfindende Seelsorgebesuche in einem von der Diakonie geführten Alten- und Pflegeheim in Greifswald.

  • Zu Beginn des Seminars werden Grundfragen der Seelsorge, insbesondere der Seelsorge mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, in einem Blockseminar erarbeitet.
  • In den ersten Seminarsitzungen werden diese Einsichten vertieft.
  • Nach einigen Wochen beginnen mit einer Aussendungsandacht die Besuche im Altenheim. Immer zwei Teilnehmern wird dabei für die Zeit zwischen Mitte November und Ende Januar ein Wohnbereich im Altenheim zugewiesen, in dem sie etwa zweimal wöchentlich Besuche machen und Gespräche führen sollen.
  • In den Seminarsitzungen wird (neben kürzeren thematischen Impulsen) nun jeweils ein „Verbatim“ eines Besuches besprochen.

Außerdem gibt es weitere Lehrveranstaltungen. Neben der Vorlesung „Evangelische Seelsorge“ werden folgende u.a. Themenkreise angeboten: Seminare und Übungen zur Seelsorge im Altenheim (bes. Demenz), zur Seelsorge mit Kindern, zur Seelsorge mit Ehepaaren; zu Schuld und Seelsorge (Beichte); zur Seelsorge in Krisensituationen; zur Seelsorge in der Kirchengemeinde (insbesondere Kasualseelsorge und Kurzgespräch).